Nachhilfestunde für Agenturen

Posted on 14/11/2010

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Ein wunderschönes Beispiel für die typischen Probleme von Agenturen neue Kommunikationskanäle zu etablieren. Wenn es nicht funktioniert gibt es nur einen Grund, den Kunden oder wie es Salvador Carrillo ausdrückt: „Große Firmen sind viel zu feige“.

Salvador Carrillo ist Chef des Unternehmens „Mobile Dreams Factory“ aus Spanien, hat heuer einen Goldenen Löwen in Cannes gewonnen und ist im Vorstand der Europäischen Mobile Marketing Association. Nebenbei hat er 8 Mobile Marketing Awards gewonnen. Im Interview mit der Futurezone spricht er über die Trends im Mobile Marketing, den Apps-Boom und kritisiert Firmen, die an ihren alten Werbe-Ideen festhalten. Nachzulesen hier Link Fuzo

Zitate aus dem Interview:

„Es gibt einige Marken, die immer auf der Suche nach etwas Neuem sind, wie etwa Nike, Coca Cola oder RedBull– die zahlen für die Ideen, denen sind Kosten relativ egal. Aber wenn man zu einer kleineren Firma geht, bekommst du als Antwort: Ok, aber wie viele Produkte verkaufe ich dadurch mehr? Das ist absurd. Man kann ja auch nicht zählen, wie viele Verkäufe ein TV-Spot gebracht hat. Die Einstellung der Firmen zu Werbung und Marketing muss sich ändern, es werden nicht alle Möglichkeiten ausgenutzt.“

“Fuzo:  „Welche Smartphone-Betriebssysteme werden sich durchsetzen?

Carrillo: Android, iPhone OS, Windows Phone 7, RIM.

Fuzo: Also alle, bis auf Nokias Symbian?

Carrillo: Nokias Performance ist sehr schlecht, schauen Sie sich die wirtschaftlichen Ergebnisse an. Auf dem Smartphone-Markt ist Nokia nicht wettbewerbsfähig. Die Zahl der Apps, die im Symbian-Store downgeloadet werden, ist im Vergleich mit den anderen absolut lächerlich.“

Grundlagen die Agenturen doch wissen sollten

Man sollte glauben, dass gerade die „jungen Wilden“ in der Agenturbranche es besser machen als die Etablierten. Offenbar doch nicht. Viele etablierte  Agenturen sind bei Ihren Kunden mit kreativen Ideen (sogenannten Goldideen) letztendlich gescheitert, weil sie oft der Agentur Preise bringen, aber den Kunden keinen nachhaltigen Erfolg.

Dabei ist Mediaplanung doch wirklich keine Geheimwissenschaft. Im ersten Schritt wird in der Intermediaselektion die Auswahl der einzelnen Werbeträgergruppen definiert.

Die Intramediaselektion befasst sich anschliessend mit der Wahl der Werbeträger innerhalb einer Werbeträgergruppe. Zu den Auswahlkriterien der Intramediaselektion gehören:

  • Reichweite des Mediums
  • Glaubwürdigkeit des Mediums
  • Image des Mediums
  • Nutzpreis und Kosten des Mediums
  • Verfügbarkeit des Mediums
  • redaktionelles und werbliches Umfeld des Mediums.

Solche rationale Kriterien helfen in der Diskussion, Bewertung und letztendlichen Auswahl der Werbeträger. Und sind ein Schutz um nicht in die Falle einer subjektiven, emotional begründeten Entscheidung zu tappen.

Und jetzt zu den Fakten

Wechseln wir also zu den Apps für Smartphones, die für verschiedene Betriebssystem programmiert werden. Manche Betriebsysteme sind einzelnen Marken klar zugeordnet, andere werden von mehreren verwendet.

Hier eine kurze Übersicht

  • Symbian – Nokia (Samsung und SonyEricsson haben noch Modelle im Markt, allerdings angekündigt keine neuen mehr zu launchen)
  • Android – HTC, Samsung, SonyEricsson, Motorola, …
  • Blackberry – RIM
  • Windows Phone 7 – LG, HTC, Samsung, Dell
  • iOS/iPhone – Apple

Sehen wir uns also die Verteilung von Smartphone Betriebssystemen an. Unter anderem in Spanien, wo Herrn Carrillos Agentur ihren Sitz in Europa hat:

Spanien Österreich Deutschland Durchschnitt
Symbian 52% 49% 43% 48%
Android 16% 20% 31% 22%
Apple 14% 13% 11% 13%
RIM 9% 14% 6% 10%
Microsoft 4% 1% 3% 3%
Quelle: Strategy Analytics Smartphone shipments 3Q2010

Ein wesentliches Auswahlkriterien der Intramediaselektion ist die Reichweite des Mediums.

Wenn ich ganz bewusst rd 48% des Smartphone Marktes ausschliesse = 48% Reichweite(!), dann ist das eine sehr subjektive Entscheidung. Unabhängig von der wirtschaftlichen Performance eines Unternehmens. Ob Anzeigen in einem Medium funktionieren hängt doch von deren Qualität ab und nicht ob der Verlag Gewinn bzw Verlust macht.

Und der Kunde ist nicht feig Herr Carrillo, sondern hat wohl einfach nur ein gesundes Mass an Skepsis. Denn Kunden erwarten für ihre eingesetzten Budgets weder Goldideen per se noch den 9. MMA-Award für ihre Agentur, sondern ganz einfach die höchstmöglichen Kampagnenergebnisse, und Verkäufe.

PS: Wenn Sie über Apps für Smartphones nachdenken, dann seien sie sich bewusst, dass der Anteil von Smartphones am gesamten Handymarkt derzeit rd 25-30% beträgt. (25% von 15% Reichweite bei Apple sind 3,75% Reichweite im Gesamtmarkt –echt!)

Darüber und dass es auch andere Apps (nicht nur für Smartphones) gibt werde ich demnächst in einem eigenen Eintrag schreiben.

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